Living With Art (Group show featuring John M. Armleder, Richard Artschwager, Shannon Bool, Anne-Lise Coste, Mark Dion, Wolfgang Flad, Sylvie Fleury, FOS, Thomas Grünfeld, Hadley+Maxwell, Uwe Max Jensen, Joan Jonas, Martin Kippenberger, Thomas Locher, Pia Maria Martin, Josephine Meckseper, Matthias Megyeri, Lasse Schmidt Hansen, Gregor Schneider, Haim Steinbach, Viron Vert and Stephen Willats). 13.04.2012 – 08.06.2012

Press Release
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englisch / deutsch

„Living With Art“ ist der erste Teil einer Ausstellungstrilogie in der Galerie Reinhard Hauff, in der die Galerieräume in ein surrealen Wohnraum verwandelt wird, in dem jedes architektonische oder dekorative Detail ein Doppelleben als Kunstwerk und Designobjekt führt. In der Ausstellung werden Arbeiten aus dem Zeitraum von 1980 bis heute präsentiert, die den rein ästhetischen und formalen Stellenwert des Kunstwerks in eine funktionale, nützliche und praktische Sphäre überführen – und vice versa – und damit den Status des Objekts durch das visuell in Dialog treten mit anderen Arbeiten, die in dieser imaginären Wohnlandschaft zu sehen sind, provokant hinterfragen.

Das Thema der Aneignung ist der rote Faden in dieser Zusammenstellung an Arbeiten, die das absurde, spielerische und kritische Potential der Kunstwerke betont und damit ihren dadaesken Charakter ins Zentrum stellt. Die Künstler benützen Objekte entgegen ihrer ursprünglichen Funktion als Möbel und Memorabilia, indem sie ihnen eine neue Aufgabe zuteilen und dabei ihren ursprünglichen Nutzwert geradezu pervertieren indem sie ihnen den Status eines Kunstwerks zusprechen. In einigen Skulpturen, in denen Designobjekte verwendet werden, wie zum Beispiel in John M. Armleders Arbeit „AH (Enil Aekat), FS“ aus dem Jahr 2006, in der ein lederner Heberli-Stuhl mit einer monochrom silbernen Leinwand kombiniert wird, wird der ikonische Status der Objekte benutzt, um zur faktische Benutzung des Objekts zwar einzuladen, diese jedoch gleichzeitig auch vorzuenthalten. Das „Amazing“-Hochzeitskleid von Sylvie Fleury von 2001, aus einer Performance stammt, in der das Kleid eine Rolle spielte, wird nun als Lichtskulptur präsentiert. Andere Arbeiten wie das „Multiple Clothing – Open System“-Kleidungsstück des britischen Konzeptkünstlers Stephen Willats und „Phantom Audience“, eine Vodka-Skulptur von FOS, laden dahingegen zum Gebrauch ein. Künstler wie Richard Artschwager, Haim Steinbach, Sylvie Fleury und Josephine Meckseper werten banale und wertlose Dinge zu glamorösen Kultobjekten auf, indem sie sich einer Präsentationsform bedienen, die der szenografischen Inszenierung von Ladeninterieurs entnommen ist. Heim Steinbachs Arbeit „Untitled“ von 1986 wird dabei erstmals zusammen mit Josephine Mecksepers „Shelf No. 27“ von 2007 präsentiert. Beide Arbeiten stellen anhand der von ihnen zelebrierten Fetischisierung von Gebrauchsgütern die Frage nach dem Zusammenhang von Konsum, Politik und Mode im Kontext der Einrichtung. Das Arrangement aus Luxus-Einkaufstaschen von Sylvie Fleury wird in der Ausstellung kontrastiert durch Gregor Schneiders „Mattress No. 14 (Rheydt), 2008, das einen an Obdachlosigkeit und Entfremdung erinnert. Die Arbeit „Language/ Parole/ Fenster“ von 1997 von Thomas Locher transformiert ein großes Fenster aus Aluminium in einen philosophischen/ psychologischen/ politischen Sprachfilter zwischen Innen und Außen. In Thomas Grünfelds farbenfroher Arbeit „Sineflam 3409“ von 1987 steht eine Pflanze als Platzhalter für den (abwesenden) Künstler auf dem Kautschtisch. Ebenfalls eine Pflanze enthält auch Mark Dions Arbeit „Nursery“, 2007, die aus einem Kinderwagen besteht, in dem eine Zimmerpalme gesetzt wurde. In der so genannten Kinderecke werden Martin Kippenbergers Kinderstuhl „Réservé“ von 1989 und die Arbeit „Noah“, 2006 des kanadischen Künstlerduos Hadley+Maxwell, die ihr Lieblingsspielzeug abbildet, von Matthias Megyeris „Sweet Dreams Security“-Zaun umfriedet. „Diversions, Deviations, Disjunctions, Dissimmetries – Like or After ‚Double Self Portrait‘“ ist der Titel von Lasse Schmidt Hansens 2010 geschaffener Version des Stuhls, der in Jeff Walls berühmtem Selbstportrait von 1979, auf das auch der Titel der Arbeit anspielt, abgebildet ist. Die Arbeit steht für seinen künstlerischen Ansatz, bei dem er wie in der Arbeit „Uro“ von 2006 auf Einrichtungsgegenstände zurückgreift, die er ihrer ursprünglicher Benutzung und Bedeutung entkleidet.

Ebenfalls in „Living With Art“ ist eine Gruppe von Arbeiten vertreten, die sich auf Antiquitäten und altmeisterliche Malerei bezieht. Shannon Bools gewebter „Memmling Carpet“, 2010 reproduziert das Muster eines orientalischen Teppichs, der in Hans Memlings „Blumen-Stillleben“ von 1490, das sich heute in der Thyssen-Bornemisza Sammlung in Madrid befindet, auf einem Tisch unter einer Vase mit einem Blumenstrauß zu sehen ist. Die niederländische Stillebenmalerei des 17. Jahrhunderts ist die Vorlage für Pia Maria Martins dreiteilige Videoarbeit „Vivace“ von 2005, mittelalterliche Madonnenbildnisse sind Teil der Installation „The Figure“ von Hadley+Maxwell. Wie ihre Arbeit „Chinoiserie Panels for Dallas Dining Room“, 2006/ 2010 verbinden diese Arbeiten historische Objekte, Zeichen und Symbole mit neuen Inhalten. Die Grenzen zwischen Mode und Kunst verschwimmen in Josephine Mecksepers „Rug # 1“ von 2003, bei dem ein Teppich mit dem Muster eines Palästinenserschals den Boden bedeckt, genauso wie in Viron Verts „Aid Air Mail, Berlin Istanbul“, einem Seidenschal, der wie Megyeris Zaun schon bei Collette in Paris ausgestellt wurde und der sowohl ein intelligenten und stylischen Kommentar auf die Kopftuchdebatte als auch ein „must-have“-Modeassesoire darstellt. Der dänische Künstler Uwe Max Jensen verbindet in seinen „Lucio Fontana Cuts Transferred to a Shower Curtain“, 2003 zwei absolut beziehungslose ikonographische Symbole: Fontana und Hitchcock.

In der Videoinstallation „Begin Again“, 2007 sieht man die berühmte amerikanische Performance-Künstlerin Joan Jonas mit verschiedenen Gegenständen und Spiegeln in ihrem Ferienhaus hantieren, Gegenstände, die sie sammelt und die sie in ihren Performances als Requisiten benutzt und die ihr häufig als Inspiration für ihre Arbeiten auf Papier dienen. Wolfgang Flads Holzskulpturen können als Skulptur und Möbelstück zugleich verstanden werden. Sie dienen als filigrane Tür oder als „Krisenstuhl“, 2012. Die in New York lebende französische Künstlerin Anne-Lise Coste macht ihre Position hingegen klar indem sie auf einer A4 Zeichnungen von 2002 schreibt: „I‘m not a palm tree. I‘m not a design table. I‘m not a novel sentence.“

Die Galerie Reinhard Hauff dankt allen Künstlern, die an der Ausstellung teilnehmen und den Galerien Andersen‘s, Kopenhagen, Galerie Luis Campana, Berlin, Galerie Andrea Caratsch, Zürich, Galerie Mehdi Chouakri, Berlin, Galerie Michael Janssen, Berlin, Galerie Kadel Wilborn, Karlsruhe, Galerie Georg Kargl, Wien sowie Achim und Petra Kubinsky und Adnan Yildiz für ihre Zusammenarbeit und Unterstützung.

Ankündigung: „Living With More Art“, Februar – April 2013, „Living With A Lot Of Art“, Februar – April 2014