JULIO RONDO. Rented Rooms. 12.09.2008 – 11.10.2008 

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Mit „rented rooms“ zeigt die Galerie Reinhard Hauff ihre fünfte Einzelausstellung mit dem in Berlin lebenden Maler Julio Rondo (*1952). In seinen in Airbrushtechnik hinter Glas ausgeführten Arbeiten beschäftigt sich der an der Merz-Akademie in Stuttgart unterrichtende Künstler mit Gedankenfragmenten, Erinnerungen und Vergessensversuchen. Der für Rondo charakteristische Aufbau der Gemälde hinter Glas, bei dem in einer Art negativen Malerei der Teil der Komposition zuerst gemalt wird, der schließlich den Vordergrund der Bilder ausmacht, verstärkt den stofflichen Charakter der Farbe und lässt den Betrachter unmittelbar in die transluzenten Bildmotive eindringen.

Die abstrakten, aus verschlungenen Liniengeflechten zusammengesetzten Formen, die man auf den neuen Bildern von
Julio Rondo sieht, beziehen sich auf einen Korpus an aleatorischen Skizzen und Zeichnungen, die der Künstler als beiläufiges Nebenprodukt verschiedener Alltagssituationen über viele Jahre hinweg angefertigt und zusammengetragen hat. Wie Palimpseste einer durch den Akt des Zeichnens überlieferten Vergangenheit, bei denen sich individuelle Stimmungen, Atmosphären und Geschichten in den häufig unbewusst ausgeführten Kritzeleien speichern, tragen Rondos Arbeiten trotz ihrer abstrakten Formensprache einen zutiefst persönlichen Charakter. Als Spur hinter Glas manifestiert sich in den gesprayten, aus transparenten Schichtungen tiefenräumlich aufgebauten Gemälden ein Archiv erlebter Vergangenheit, das – den Aufzeichnungen Marcel Prousts nicht unähnlich – Malerei als konkreten Akt des Erinnerns interpretiert. Dieser schon für die früheren Arbeiten des Künstlers signifikante Verweis auf das subjektiv Erlebte, bei dem der künstlerische Abstraktionsprozess mit der filternden Funktion des Gedächtnisses einhergeht, lässt Rondos Gemälde als Resonanzraum erfahrbar werden, in dem vielfältige popkulturelle Einflüsse nicht zuletzt über die Titelgebung der einzelnen Arbeiten zum Tragen kommen. Ohne seine Umwelt naturalistisch abzubilden, versteht es der Künstler in seinen Bildern, ein anschauliches Dokument des Lebens in unserer heutigen Zeit in einer durch und durch abstrakten Formensprache auszudrücken.