CLÉMENT COGITORE. Digital Deserts, Evil Eyes and Kids. Photos. 07.01.2020 – 31.01.2020 

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Clément Cogitore (*1983 in Colmar) entwickelte eine Methode, die zwischen Kino und moderner Kunst zu verorten ist. Mit einer Mischung aus Film, Video, Installation und Fotografie hinterfragt sein Werk, wie Menschen mit Bildern zusammenleben. In den meisten Fällen wirft das Fragen nach Ritualen, nach kollektiven Erinnerungen, nach der Darstellung des Heiligen und nach einer bestimmten Art der Durchlässigkeit unterschiedlicher Welten auf.

Mit der Serie
Digital Desert, 2015, aufgenommen in der marokkanischen Wüste, weist Cogitore darauf hin, dass diese „die erste ohne menschliche Figuren“ sei und eine neue Tarnungstechnik namens 'digital desert' ('Digitale Wüste') präsentiert, mit der man nicht mehr einem fest verschanzten Feind entkommen kann, sondern dem unsichtbaren Auge der Drohnen. Cogitore veranschaulicht mit seiner Serie Digital Desert, was auf dem Spiel steht, den Schritt von der braunen, khakifarbenen Militärtarnuniform des 20. Jahrhunderts zu diesem verpixelten Motiv des 21. Jahrhunderts zu gehen – dies verwirrt selbst die raffiniertesten Rezeptoren.

Die Bedeutung des Ritus und die Manifestation des Heiligen liegt
The Evil Eye zugrunde. Cogitore nutzt bereits vorhandene Werbebilder und transformiert diese durch eine ambivalente Inszenierung, bei der Identität und Differenzierung mit einem allegorischen Verzeichnis in Spannung gerät. Mit der Videoarbeit The Evil Eye gewann Clément Cogitore 2018 den Marcel Duchamp Preis im Centre Georges Pompidou, National Museum of Modern Art in Paris.

Die Fotoserie The Evil Eye (stills), die in der Ausstellung gezeigt wird, ist eine Sammlung von Cogitore-Stills, die aus dem Video ausgewählt wurden. Weibliche Gesichter überlagern Korridore, die von endlosen Blöcken der riesigen Datenserver gesäumt sind, auf denen dieselben Gesichter in Form digitaler Daten gespeichert sind. Die Figur – der Gast – scheint somit als Geist den Ort ihres Gastgebers zu verändern.

Die Serie
Kids – Fotos, die zuletzt im Rahmen der The Desolation Door-Installation aus Cogitore’s Notebook für die Dramaturgie der Ausstellung CHILDHOOD. Another banana day for the dream-fish im Palais de Tokyo, Paris, 2018, zu sehen waren – bezieht sich auf die Verantwortlichkeit der Eltern ihre Kinder zu schützen. Kids zeigt einerseits die extreme Verwundbarkeit und die erhöhte Gefährdung der Kinder durch den Internetmissbrauch und den Missbrauch ihrer Rechte als Individuum auf sowie andererseits das vorzeitige Verschwinden der Kindheit hin zu einem erwachsenenähnlichen Kind-Mysterium. Die verpixelten Augen der Kinderportraits verweisen auf eine Pseudosicherheit, wie sie im Internet häufig vorkommt.

Clément Cogitore (*1983, Colmar) lebt und arbeitet in Paris. Seine Werke wurden unter anderem im Palais de Tokyo, Paris, im Centre Georges Pompidou, Paris, im ICA, London, im Haus der Kulturen der Welt, Berlin, im MACRO, Rom, in der Flax Foundation, Los Angeles, im MoMA, New York, im MNBA, Québec, im SeMA Bunker, Seoul, im Red Brick Art Museum, Peking und im Kunsthaus Baselland, Muttenz/Basel präsentiert. Seine filmischen Arbeiten wurden bei zahlreichen internationalen Filmfestivals gezeigt und ausgezeichnet: in Cannes, in Locarno, in Telluride, in Los Angeles und in San Sebastian. 2015 wurde sein erster Spielfilm Ni le ciel Ni la terre beim Festival de Cannes im Rahmen der Semaine de la Critique ausgewählt, von der Gan Foundation ausgezeichnet, von den Kritikern anerkannt und für das beste filmische Erstwerk mit dem César Award nominiert. Der Film wurde 2016 in der Galerie Reinhard Hauff gezeigt. 2015 gewann er außerdem den BAL-Preis für zeitgenössische Kunst, 2016 den SciencesPo-Preis für zeitgenössische Kunst sowie den 18. Fondation d'Entreprise Ricard-Preis für zeitgenössische Kunst und 2017 den Preis für Künstler unter 35 Jahren des Festivals Kino der Kunst in München. Anlässlich des 350-jährigen Bestehens hat die Opéra National de Paris Cogitore mit der Inszenierung des gesamten Opernballetts Les Indes galantes von Jean-Baptiste Rameau beauftragt. Der Künstler sollte das Stück genauso wie seinem Film Les Indes galantes, den er 2017 produzierte und in der Galerie Reinhard Hauff uraufgeführt wurde, realisieren. Die Uraufführung des Opernballetts Les Indes galantes an der Opéra Bastille, Paris, fand im September 2019 statt. Mit The Evil Eye, 2018, gewann Cogitore den Marcel Duchamp Award im Centre Georges Pompidou, Nationalmuseum für Moderne Kunst, Paris. Cogitores Werke sind in mehreren öffentlichen Sammlungen vertreten, darunter im Centre Georges Pompidou, Paris, im Fonds national d’art contemporain, Paris, im Fonds municipal d’art contemporain de la Ville de Paris, im FRAC Alsace, Sélesta, im FRAC Aquitaine, Bordeaux, im FRAC Auvergne, Clermont-Ferrand, im MAC VAL Museum, Vitry-sur-Seine, im Musée d’Art moderne et contemporain de Strasbourg und in Privatsammlungen wie der Daimler Art Collection.