FRANK AHLGRIMM. nourish your doubt. 21.09.2019 – 15.11.2019

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Nourish your doubt ist die fünfte Einzelausstellung des in Berlin lebenden Künstlers Frank Ahlgrimm (*1965, Rerik, Deutschland) in der Galerie Reinhard Hauff. Seine großformatigen Werke – in der für ihn typischen Mischtechnik aus Collage, Öl, Lack- und Acrylmalerei – kombinieren abstrakte sowie figurative Elemente mit impulsiven Farbtexturen, illusionistisch gesprühten Farbflächen und plakativen Schriftzügen.

Ahlgrimm lädt zum Zweifeln ein – Pflege deine(n) Zweifel, 2019 (nourish your doubt(s)). Aber an was soll der Betrachter seiner Werke zweifeln und was soll er hinterfragen? Die Komposition von Bild und Schrift, das Kunstwerk an sich, oder gar an sich selbst, da sich die Arbeiten Ahlgrimms nicht ad hoc erschließen lassen? Die Titel, die Motivik sowie die plakativen Schriftzüge geben dem Betrachter vermeintliche Anhaltspunkte, was ihm der Künstler mitteilen möchte. Allerdings führt er uns auf eine Fährte, die nicht unbedingt immer die richtige sein muss und sich schlussendlich auch als falsch herausstellen kann. Manch’ ein Titel sowie ein Schriftzug stellen eine gewisse Hilfestellung zur Erschließung des Werks dar, bei anderen ist dies aber nicht der Fall. „Die Verknappung sprachlicher und anderer gestalterischer Mittel kommt dem Denkmüden und Unempfindlichen stets zupaß“, so Max Goldt, ein deutscher Schriftsteller und Musiker. „Der Reduktionismus wird seit Jahrzehnten als künstlerisches Allheilmittel gepriesen, und diejenigen, die es lieben, sich von Knappheit berieseln zu lassen, vertreiben eventuelle Zweifel nur allzugern, indem sie jene paradoxe Spruchweisheit bemühen, nach der es ja stets das Einfache sei, das am schwierigsten zu machen und daher eh am besten. Eine Lüge ersten Ranges. Wozu hat sich die Menschheit bis ins 21. Jahrhundert gequält? Damit Sie am Ende an rohen Kartoffeln erstickt.“

In der Arbeit
See True, 2019 wird der Betrachter aufgefordert, dass er die Wahrheit erkennen soll. Aber von welcher Wahrheit ist die Rede? Was für einen Masterplan (The creator has a master plan) hat uns der Künstler zurecht gelegt? Auf was soll man sich in der Ausstellung einlassen? Welche Strategie hat der Künstler entwickelt und welche Vorschläge unterbreitet er uns? Der Betrachter soll unabhängig sowie selbstständig (Independent) agieren und sich nicht vom Künstler in die Irre führen lassen. Obwohl sein Werk too big to fail, 2019 behauptet, dass manches oder manch’ einer zu groß und zu mächtig sei, um zu scheitern, impliziert die Aussage eine gewisse Ironie, denn wer sich mit Kunst tagtäglich auseinandersetzt, weiß, dass das Scheitern dazu gehört, und dass man daraus meist stärker und weiser emporsteigen wird.
Das Motiv des Krokodils stammt aus einem alten Fotoband des Künstlers. Ahlgrimm nutzt in seinen Werken immer wieder die Methode der Collage, wie auch in seiner Serie
Social Jetlag, die er erstmalig 2010 präsentierte. Sie entstand aus A4-Collagen, die der Künstler auf Vinyl (260 x 200 cm) drucken ließ. „Das Schlafverhalten an Arbeitstagen und dem, was die innere Uhr diktiert, führen zu einem ‚social jetlag’“, so Till Roenneberg – Professor am Institut für Medizinische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Der soziale Jetlag kann weit reichende Folgen für die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Betroffenen haben. Er ist dem Jetlag vergleichbar, den wir nach Flügen über Zeitzonen erfahren, nur begleitet er die Betroffenen meist ein Leben lang.“ Ahlgrimm möchte uns also nicht diktieren, was wir sehen oder verstehen sollen. Er möchte, dass wir eigenständig unsere Meinung über sein Werk bilden – reflektieren, nachdenken, zweifeln sowie uns über das Gesehene und Verstandene miteinander austauschen und diskutieren.

Frank Ahlgrimms Werke sind bereits in zahlreichen international renommierten Sammlungen vertreten (Text: Cornelia Schuster).

Zur Ausstellungseröffnung und zum Art Alarm laden wir Sie herzlich am
Samstag, den 21. September 2019, von 11 bis 21 Uhr zu Bier und Wein ein.