CLÉMENT COGITORE. The resonant interval. 21.07.2017 – 15.09.2017

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Die Galerie Reinhard Hauff freut sich mit The resonant interval, die zweite Einzelausstellung des in Paris lebenden Künstlers Clément Cogitore (*1983) ankündigen zu dürfen. Die Videoinstallation wurde erstmals 2016 im Palais de Tokyo, Paris sowie 2017 auf der Manif d'art 8, der Quebec Biennale, präsentiert und wird in Deutschland ausschließlich in der Galerie Reinhard Hauff zu sehen sein.

Es wird gesagt, dass die Menschen zu malen anfingen, nachdem sie ihre Schatten, die durch das Feuer auf den Felsen der Höhlen projiziert wurden, gesehen haben. Bilder hatten seit Beginn an etwas Mystisches in sich. Heute hat sich diese Erkenntnis sehr wenig verändert – trotz all unserer technologischer Revolutionen. Die Polarlichter zum Beispiel, bunte leuchtende Schleier am dunklen Horizont des Nordpols (lat.
Aurora borealis) sind mystische Phänomene, welche die Menschheit seit jeher fasziniert und die Völker der nördlichen Regionen zu Sagen und Legenden animierten. Aus wissenschaftlicher Sicht entstehen diese mystischen Phänomene durch die Kollision elektrisch geladener Teilchen des Sonnenwinds aus der Magnetosphäre, die auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in den oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen und diese ionisieren. In The resonant interval hat Clément Cogitore diese beiden Ebenen – die wissenschaftliche und die mystische – miteinander verknüpft, um das „Intervall“ zwischen der wissenschaftlichen Forschung und den mystisch leuchtenden und tanzenden Phänomenen am Nordpol und deren Legenden, die sie umgeben, aufzuzeigen.

Die
Aurora borealis ist oft mit einem pfeifenden Lärm verbunden – Klänge, die nach den Legenden der Inuits und Saamis als das Sprechen der Toten mit den Lebenden interpretiert werden. Nach Untersuchungen der Alto-Universität in Finnland sind die Klänge, die von einer Aurora borealis produziert werden, erst ab 70 Metern von der Erdoberfläche wahrnehmbar. Dass einige Wenige sie dennoch hören können, ist derzeit noch ungeklärt. Anfang 2014 nahm das Yellowknife Aurora Borealis Observatorium, in den Nordwest-Territorien von Kanada, einige rötlich leuchtende Formationen auf. Dieses Phänomen war für die Wissenschaft ebenso lange Zeit unerklärlich, scheint aber nach neueren Forschungen durch Emissionen von Sprengstoffen zu stammen, die wie eine moderne Übersetzung des Totentanzes am Firmament anmutet.

Es ist dieser Raum – nur dieses eine Intervall – zwischen dem Rationalen und Irrationalen, oder dem Sichtbaren und Unsichtbaren, dass Clément Cogitore in dieser Überlagerung von Bildern und Geschichten inszeniert. Denn eine Grenze ist keine Verbindung, sondern ein „Intervall der Resonanz“, so der kanadische Medientheoretiker Marshall McLuhan. In Cogitores Arbeit ist das „Intervall der Resonanz“ die stratosphärische Grenze zwischen Himmel und Erde, als die störende Zone zwischen den verschiedenen Erzählsträngen, die er verwendet: wissenschaftliche Interviews, historische Rekonstruktionen, fiktionale oder mystische Texte, wie zum Beispiel ein Auszug aus dem Buch des Propheten Ezechiels (6. Jh. v. Chr.), welches den ersten Nachweis einer Vision der
Aurora borealis beinhaltet.
(Text: Daria de Beauvais, Kuratorin, Palais de Tokyo, Paris)

Clément Cogitore (*1983) lebt und arbeitet in Straßburg und Paris. Sein erster Spielfilm Ni le ciel Ni la terre (2015) wurde während La Semaine de la Critique auf dem Festival de Cannes gezeigt und für den Césars nominiert. Der Film wurde in der Galerie Reinhard Hauff im Jahr 2016 gezeigt.

Zur Ausstellungseröffnung laden wir Sie herzlich am
Freitag, den 21. Juli 2017, von 19 bis 22 Uhr zu Gin Tonic, großzügig gesponsert von Edelbrand Stauffenberg Dry Gin, ein.

Die Galerie bleibt vom 29.07. bis 04.09.2017 geschlossen.