FRANK AHLGRIMM. TRUST ME. 08.04.2016 – 20.05.2016

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Die vierte Einzelausstellung des in Berlin lebenden Malers Frank Ahlgrimm (*1965) in der Galerie Reinhard Hauff stellt eine Behauptung auf: Trust me. Die Aufforderung, dem Künstler in das was und wie er es malt zu vertrauen und zu folgen, stammt wiederum aus einer seiner Zeichnungen. Denn, die Bildwelten, die Frank Ahlgrimm präsentiert, vereinen scheinbar Gegensätzliches und Widersprüchliches. Seine breit gefächerte abstrakte Formensprache schließt klare Farbfelder ebenso ein wie impulsive Farbtexturen und illusionistisch gesprühte Flächen, die Kombination von Schrift und Bild bis hin zu figurativen Motiven, welche immer eine Reflexion aktueller gesellschaftlicher Gegenwart enthalten.
Trust me stellt neue Malereien zweier Serien in der Ausstellung gleichwertig nebeneinander, abstrakte neben Werken mit Schrift, die beide formal seit Jahren als Teil der modularen Kompositionsweise des Künstlers sowohl in einzelnen Werken auftauchen als auch als autonome Werkserien existieren.
In den Werken der aktuellen abstrakten Serie, wie beispielsweise
Ken Burns Game I von der Einladungskarte, treffen zwei Techniken scharfkantig aufeinander – gesprühte Lackfarbe trifft auf gerakelte Ölfarbe. Malerisch wird ein scheinbar illusionistisches, schwarzweißes Höhenprofil von einer monochromen Form überschnitten, deren farbliche Tiefe die Grenze zur Objekthaftigkeit durch die Stege und Wülste des Farbauftrages überschritten hat. Die gewählte Tonigkeit der dick aufgetragenen Ölfarbe erhält ihren Mehrwert durch die Ambivalenz ihrer Zuschreibung. Die Farben wirken anziehend, einverleibend, körperlich aber gleichzeitig seltsam undefiniert. Aus dieser Gegensätzlichkeit spannt sich der Farbraum auf, der im Kontrast zur optischen Täuschung einer vorgestellten Tiefe des Schattenspiels steht, das wie ein kartographiertes Landschaftsrelief von Oben wirkt. Das Relief könnte aus dem Makro- oder Mikrokosmos entstammen, auf das hinein- oder hinausgezoomt wurde und auf dessen illusionistisches Potential der Bildtitel verweist.
In seinen Schriftarbeiten verwendet
Frank Ahlgrimm gemalte Buchstaben einer selbst entwickelten Schrifttype, die durch das malerische Ausformulieren des Helldunkel ähnlich wie gebogene und zusammengesetzte Rohre wirken. Die ausgewählten Satzfragmente oder Beschreibungen stammen von Film- oder Romanzitaten, Phrasen oder Werbesprüchen. Sie lösen in Frank Ahlgrimm Bildvorstellungen aus und lassen sich je nach Länge und Überlagerungen der Zeilen entschlüsseln oder erscheinen als rein malerisches Element ornamental auf der Bildfläche. Der Inhalt des gemalten Texts lässt sich jenseits der semantischen Bedeutung der einzelnen Buchstaben als Zeichen auf der Leinwand rein formal als Bild lesen. Sie werden zur modularen Struktur, der Bildtitel selbst wird wieder zum Auslöser.
Dem aus Inhalt und Daten aufgebauten Digitalen setzt der Künstler die analoge Malerei entgegen. Er nutzt die tradierte Methode der Collage, die als Cut & Paste seit langem in die digitale Konstruktion von Individualität und Alltag eingezogen ist, um dem taktilen, visuellen Vokabular seiner Gemälde assoziativ Ebenen der Bedeutung hinzuzufügen.
Der zur Eröffnung im Kerber Verlag erscheinende Katalog
Trust me zeigt unter anderem diese beiden Werkserien sowie erstmals umfassend die ganze Vielfalt der kombinierten Materialprozesse Frank Ahlgrimms, die kontinuierlich die Geschichte der Malerei neu verhandeln und Querverweise in die Mythologien der Kunst sowie die Herausforderungen einer vermittelten Lebenswelt einbeziehen.