JULIO RONDO. 26.09.1998 – 23.10.1998

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Die Acrylarbeiten auf Glas von Julio Rondo bewegen den Betrachter zu einer sublimen und tiefergreifenden Interaktion mit dem Werk, da nur aus einer reflektierenden Kulturrezeption heraus die inhaltliche Dichte und Sinn des Bildgegenstands erschlossen wird. Seine signifikante Formensprache impliziert eine weiträumige Betrachtungsweise, die den Betrachter dazu bewegt, an den Ausgangspunkt der Werkentstehung anzuknüpfen. Dieser ist immer eine authentische Situation oder konkrete Begegnung, die den künstlerischen Abstraktionsprozeß einleitet.

Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Titulierung seiner Werke, die zum „rückführenden Blick“ anstößt und der Assoziation eine Art „ariadnischen Faden“ zuspielt. Hierdurch wird der mentale und gestalterische Übergang einer authentischen Gegebenheit in den formal-abstrakten Zustand erst zu einem schlüssigen und ganzheitlichen Vorgang. Jeder Titel fungiert als ein grundlegender Orientierungshinweis, wobei der formale Ausdruck einen inneren Erfahrungszustand vermittelt. In der authentischen Bedingung liegt das Zentrum der künstlerischen Aussagekraft, die dann in der bildnerischen Umsetzung als abstraktes Desiderat auf die Glasfläche gebannt wird. Sehr deutlich tritt dies beim Porträtieren einer Person in Erscheinung: es geht dabei nicht um eine naturalistische Wiedergabe, da eine mimetische Wiederholung angesichts der Realität als obsolet erscheinen würde. „Die Lage wird dadurch so kompliziert“ – schrieb Brecht – „dass weniger denn je eine einfache Wiedergabe der Realität etwas über die Realität aussagt.“ Bei
Rondo erwächst das Portrait aus einem charakteristischen Moment, das den Menschen in einem Zeitabschnitt in seinem Tun und Denken prägte oder erfüllte und die der Künstler durch seinen Wahrnehmungsvorgang filtriert.

Das Glas als Malgrund dient als Resonanzfläche dieser Kausalbeziehung. Durch die transluzente Eigenschaft des Materials erlangt die Farbe eine weitaus stärkere stoffliche Wirkung sowie Lichtintensität. Zudem legt die Eigenschaft des Glases die „Modellierung“ des Pinselduktus und die fein differenzierten Helligkeitsabstufungen der gemalten Flächenüberlagerungen frei. Diese subtilen Qualitäten eröffnen eine malerisch mehrschichtige Tiefendimension, die bei Arbeiten wie „Stuttgart, Aspergstr. 60“, 1996, „Opel, alaskagrau L 120 036,“ 1997 oder „Halbe Seite“ 1997 auf verschiedene Weise aufkeimen. Der bildnerische Prozeß
Rondos betont die Singularität eines jeden Bildes, die aufgrund ihres spezifischen Stoffwechsels jegliche stereotype Konvention und leer laufende Willkür ausschließt.

Ali Onur