JOSH M√úLLER. Inverse. 25.10.2002 – 23.11.2002

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Mit “Inverse 1” zeigt die Galerie Reinhard Hauff die erste Einzelausstellung von Josh Müller (*1973) in Deutschland. In seiner Arbeit geht es Josh Müller, der bis 1999 an der Universität für angewandte Kunst in Wien studiert hat und erst vor kurzem vom sechsmonatigen I.S.C.P. Stipendium aus New York zurückgekehrt ist, um die Konstruktion von Wirklichkeit, bzw. die Wirklichkeit als Konstruktion. Nur an Details ist zu erkennen, dass es sich bei seinen Fotografien, großformatigen Winterlandschaften eines verschneiten Flughafens, um eine minutiös konstruierte Simulation handelt. Denn die Architektur ist aus Pappe, Flugzeuge und Autos existieren nur im Spielzeugformat. Entstanden sind die Aufnahmen nicht in der Natur, als Ansichten eines “realen” Flughafens, sondern im Atelier an einem 5 x 6 m großen Modell des Amsterdamer Flughafens Schipol International.

Von der “konstruierten Fotografie” kommend, bei der rein analog Fotografie als Medium fiktiver Bildkonstruktion verwendet wird, konzentriert sich
Josh Müller zunehmend auf das skulpturale Bauen von Modellen im Maßstab 1:1, um dem visuelle Moment der Fotografie ein dreidimensionales, physisches Gegenüber im konkreten (Erfahrungs-) Raum der Galerie entgegen zu setzen. In der Ausstellung werden daher die fotografischen Ansichten des Flughafens mit einem Check-In-Schalter aus Sperrholz kombiniert. Von beiden Seiten zugänglich, kann der Betrachter auch den ihm normalerweise verwehrten Bereich hinter dem Schalter betreten, wo sich die Konstruktion roh in ihrer bloßen Materialität zu erkennen gibt. Wand und Fenster der Galerie sind hier mit Sperrholzplatten verkleidet, die Decke ist um einen Meter abgehängt. Rem Koolhaas‘ Idee des „Junkspace“ aufgreifend, wird die Struktur des Raumes durch eine austauschbare Architektur der Lüge, einer illusionistischen Scheinarchitektur verblendet. Als Skulptur übersetzt Josh Müller mit diesem Bau damit genau die Handlung in den Ausstellungsraum der Galerie, die er zuvor bei seinen Fotos und Videos im Atelier im Maßstab des Modells vorgenommen hat. Denn erst in der raumfüllenden Konstruktion wird für den Betrachter die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit radikal in Frage gestellt.