THOMAS LOCHER. Knots & Lines. 21.02.2003 – 12.04.2003

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Die Galerie Reinhard Hauff freut sich, nach 1997 und 2000 mit „Knots and Lines“ die dritte Einzel-ausstellung von Thomas Locher (*1956) präsentieren zu können. Seit den 80er Jahren untersucht der in Berlin lebende Künstler Sprache auf die ihr eingeschriebenen Macht- und Ordnungssysteme. Auf unterschiedliche Weise hat er sich dabei mit den Regeln und Normen, unter denen wir leben, auseinander gesetzt. Der autoritären Sprache von Gesetzestexten wie beispielsweise der Präambel des Grundgesetzes stellt Thomas Locher in seinen Schriftbildern die Vielstimmigkeit von Fußnoten, Bezügen und Meinungen entgegen, „in denen eine nicht-normierte, plurale und chaotische Öffentlichkeit zum Ausdruck kommt.“ (Christoph Menke)

„Das neue Subjekt“, so der Untertitel der aktuellen Ausstellung von
Thomas Locher in der Galerie Hauff, bezieht sich auf den „verzerrten Subjektbegriff des Flüchtlings“ (Thomas Locher), wie er in den unterschiedlichen Flüchtlingskonventionen und Menschenrechten zum Ausdruck kommt. Als Grenzbegriff des Subjekts ist der Status des Flüchtlings gekennzeichnet durch einen permanenten Zustand der Ausnahme, der ihn – sozusagen in negativer Form zum abgegriffenen Subjektbegriff der Moderne – als politische Kategorie in Erscheinung treten läßt. Auf vier großformatigen Arbeiten sind zentrale Artikel aus den Grundrechten der Flüchtlinge wie zum Beispiel: „Everyone has the right to seek and enjoy in other countries asylum from persecution.“ zu lesen. Wie in den kleinen Spiegelarbeiten sind auch in diesen Arbeiten die einzelnen Sätze mit einem formalen „Gekritzel“ aus sich kreuzenden Linien überzogen, um damit Bedeutungen und Zusammenhänge gewisser Stellen im Text optisch hervorzuheben oder zurückzudrängen. Abfotografiert und vergrößert erhalten die auf diese Weise fast schon ornamental überarbeiteten Blätter den Charakter eines handschriftlich kommentierten Dokuments, das dem abstrakten Wesen des Gesetzestextes eine in Lochers Werk neue ästhetische Präsenz verleiht.