PIA MARIA MARTIN. tight. 28.06.2002 – 27.07.2002

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Mit der Filminstallation "tight" zeigt die Galerie Reinhard Hauff die erste Einzelausstellung der jungen Stuttgarter Künstlerin Pia Maria Martin (*1974), die von 1997 bis 2002 an der Stuttgarter Kunstakademie bei Henk Visch, Anet van de Elzen und Chris Newman studiert hat. Kaum einen Fuß scheint man in das wilde Durcheinander setzen zu können, in dem die Künstlerin die insgesamt 16 Einstellungen für "tight" (engl. dicht, einengend) auf 16 mm gedreht und anschließend als Fotos dokumentiert hat. Platten, Bücher und natürlich jede Menge Kleidung, all das liegt völlig ungeordnet kreuz und quer auf dem Boden des Zimmers herum. Doch wie im Märchen fangen die Gegenstände plötzlich an, sich von selbst zu bewegen. Tische leeren sich, die Kleider ordnen sich und die Zeitungen wandern in den Müll. Eine rein aus Geräuschen komponierte Musik untermalt den Spuk bis alles im Zimmer akkurat aufgeräumt ist und seinen Platz gefunden hat.

Mit viel Charme beschreibt
Pia Maria Martins Animation eine Art negativer Entropie, in der die naturgesetzlich ablaufende Bewegung aller Dinge hin zu einem energetischen Gleichgewicht, dh. der gleichmäßig chaotischen Verteilung aller Gegenstände im Zimmer, umgedreht und per Einzelbildschaltung, bei der pro Sekunde 25 Bilder manuell ausgelöst werden, in einen Zustand penibler Ordnung überführt wird. Abwechselnd auf vier Leinwände im Ausstellungsraum projiziert, muss der Betrachter während des Aufräumens ständig in Bewegung bleiben, um den spielerischen Fortgang der Arbeit zu verfolgen. Durch die farbliche Brillanz des 16 mm Materials und den Rückgriff auf die Tradition des Trickfilms, der noch ganz ohne digitale Effekte auskommt, werden die durch dieses low-tech-Verfahren animierten Bilder für den Betrachter zum "gelebten Kino" (Pia Maria Martin).