JULIO RONDO. Meta Memory. 28.09.2001 – 30.10.2001

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Julio Rondo zeigt neue Arbeiten, die sich mit Landschaft als Ort der Erinnerung auseinander setzen. Erinnerung vermittelt sich in den Arbeiten des Künstlers als zutiefst subjektive Handlung. Subjektiv dadurch, dass er weder eine zeitliche Chronologie noch eine sachliche Ordnung von Ereignissen als Kriterien für seine Malerei heranzieht. Sein Bezug zur Geschichte sowie zu seiner eigenen Vergangenheit bestimmt sich zunächst durch die Frage, wie sich Erinnerung überhaupt bildet, was einen erlebten Moment beispielsweise “unvergessen”, “glücklich” oder “schmerzhaft” macht. Der Rekurs auf den perspektivischen Charakter des Gedächtnisses, das sich aus nicht linearen Verknüpfungen von Beobachtungen, Assoziationen und Empfindungen zusammensetzt, steht somit am Beginn der künstlerischen Arbeit.

Den Prozess des Malens selbst kennzeichnet die enge Bindung an die eigene Erinnerungsfähigkeit. Sie ist die einzige Kontrollinstanz. Durch diesen individuellen Filter formen, vernetzen und stabilisieren sich Gedächtnissplitter zu Erzählungen, bilden Relevanzstrukturen und machen damit Interpretationen der Vergangenheit überhaupt erst möglich. Landschaft als Thema der neuen Arbeiten
Julio Rondos beschreibt sich somit vor allem als mentaler Ort. Werbetafeln, Straßenkreuzungen oder Industriemonumente sind Bestandteile der Erinnerungsarbeit und erhalten eine subjektive Bewertung als “gewesene” Orte. Sie finden ihren Ausdruck als visuelle Muster aus unterschiedlichen Farbwerten. Die Freisetzung der Landschaft aus dem Gedächtnis durchläuft dabei einen bewußten Abstraktionsprozess, der den individuell konnotierten Ort zu einem repräsentativen und allgemein zugänglichen Ort werden lässt. Das Verfahren öffnet den persönlichen, inneren Raum jedoch nur bedingt. Veräußert wird ausschließlich das, was über Farbe und Form, gewonnen aus dem inneren Nacherleben, in Verbindung mit einer äußeren Betrachtung treten soll. Der bildhafte Ort ist ein Meta-Ort, der als realer Ort nur noch durch den Titel der Arbeit existiert. Der bildhafte Ort zeigt sich gefiltert und rein malerisch definiert. Er bildet sich aus dem Gedächtnis und erzählt über das Erinnern an sich.