OONA STERN. 24.09.1999 – 24.10.1999

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Oona Stern bezieht sich in ihren Werken auf Konventionen des Alltags. Ihre Kunst lokalisiert sich im Beziehungsgefüge zwischen Objekt und Begriff, einem Gefüge, das uns beispielsweise dazu dient, einen Werkstoff anhand seiner haptischen Beschaffenheit, Farbigkeit oder Struktur als Stoff und nicht als Stein zu bezeichnen.

Die Selbstverständlichkeit dieses Verfahrens, das uns einen begreifbaren und verständlichen Zugriff auf unseren Lebensraum versichert, führt in
Oona Sterns Werken zu einer Re-Formulierung von Materialien und Oberflächen. Beispielhaft dafür stehen ihre Arbeiten, die sich auf das Material Holz beziehen. Dieser alltägliche Rohstoff zeichnet sich visuell vor allem durch seiner Maserung – seinem spezifischen Oberflächenmuster – aus. Jedoch verändert sich das Erscheinungsbild von Holz durch unterschiedliche Produktionsabläufe und Verarbeitungsweisen teilweise soweit, dass das Endprodukt häufig nicht mehr an den Rohstoff erinnert. Auf einem anderen Weg sind im Zuge des technischen Fortschritts Materialien, wie beispielsweise Laminat, entstanden, die den Rohstoff Holz vortäuschen, indem dessen Oberfläche so perfekt nachgeahmt wird, so dass wir der Materialillusion dankbar Glauben schenken.

Obwohl
Oona Stern ebenfalls mit den Strategien der Mimikry arbeitet, ist es ihr Anliegen die Verfahren der Täuschung offenzulegen. So geht es ihr bei der Herstellung eines Holzbodens aus breiten Planken mittels zusammengefügten Teppichstreifen nicht um perfekte Nachahmung. Ihr Verfahren der Produktion zielt nicht auf die Dienstleistung eines Surrogats ab, das über die Abwesenheit von Holz hinwegtröstet. Die Teppichplanken sind eine bewußt gesetzte Mischform zwischen Material und Muster, die die Konventionen des Alltags bricht. Das Prinzip der Arbeitsweise Oona Sterns zielt auf die Herstellung von Widerständen ab, indem sie die konditionierte Fähigkeit, einen sprachlichen Bezug zu unserer Umwelt herzustellen, verwirrt. Gegenüber unserer üblichen Erfahrung sind anhand von Oona Sterns Werken Begriff und Objekt nicht mehr deckungsgleich. Es gibt keine eindeutige Übereinkunft mehr, zwischen Objekt und Begriff gilt es für uns als Betrachter, neu zu verhandeln.