DANIELE BUETTI. Will I ask for help. 27.11.1998 – 29.01.1999

Press Release
Exhibition Views
Works




deutsch


`Will I ask for help`ist die erste Einzelausstellung von Daniele Buetti (*1956, lebt in Zürich) in der Galerie Reinhard Hauff. Die projektorientierte Show versammelt verschiedene Werkgruppen des international renommierten Schweizer Künstlers, einschließlich Arbeiten aus jüngerer Zeit.

Buettis Werk zeichnet sich durch eine bewusst inszenierte `Ästhetik des Disparaten` aus, die zwischen vermeintlichen Gegenpolen wie Glamour und Einfachheit, Ernst und ironischer Leichtigkeit, Realität und Fiktion oszilliert. Durch gezielte Eingriffe manipuliert Buetti in Modemagazinen gefundene Fotos. Im Werkkomplex `Looking for Love` kratzt er mittels Kugelschreiber rankenförmige Ornamente direkt unter die Haut der Supermodels. Die reliefartige Ausstülpung der Striche erinnert an Narben, die – blickfangend und abstoßend zugleich- auf Dekolleté oder auf Kinn der Beauties prangen. Das gekritzelte Mal löst die hermetische Patina des perfekten Körpers auf und lässt ihn für einen Augenblick verletzlich erscheinen. Der Verlust der Makellosigkeit spielt auch in Good fellows` eine zentrale Rolle. Buetti verwendet hier Namen und Logos multinationaler Konzerne wie Coca-Cola, Luis Vuitton oder Nike, die er gleichfalls auf Hautfragmente tätowiert. Die hautnahe Allianz von Markennamen und menschlichem Körper thematisiert die gezielte Verbreitung normierter Körperideale in der Werbung, sowie die Unsterblichkeit jener Produkte, die uns ein Leben lang begleiten und sogar überleben.

Die jüngsten Arbeiten von
Buetti zeichnen sich durch eine Farbigkeit aus, die bisweilen an glamourösen Pomp grenzt. Erstmals verwendet er künstliche Lichtquellen, die sichtbar hinter den Fotos befestigt sind. Die Bilder, in Motiv und Ausschnitt früheren Arbeiten verwandt, werden mit gezielten Nadelstichen peforiert; die winzigen Löcher rückseitig mit farbiger Gelatinefolie abgedeckt. Aus der Summe der diodenartigen Punkte bilden sich Schriftzüge, Konturlinie oder diffuse Lichtnebel, die das fotografische Bild kontrastreich zur Geltung bringen. Die Leuchttafeln sind dem amerikanischen Billboard verwandt – es sind gebastelte Miniaturen von Neon- Architekturen, wie man sie etwa vom Times Square oder aus Las Vegas kennt. Eine Vielfalt von Licht- und Glanzeffekten evozieren Kostbarkeit; erst auf den zweiten Blick offenbart sich die Disparität von Effekt und ärmlichen Materialien wie etwa Lametta, Glanz- oder Alufolie.

Die Tafeln sind Votivbilder des Schönheitskultes, die ein melancholisches Moment beinhalten. Der Ausstellungstitel verweist auf die enigmatische Frage, der man in den Bildschriften wiederholt begegnet: `Will I ask for help?`.
Buettis Stars sind aus einer fernen Traumwelt entliehen. Hilfe zu beanspruchen offenbart bekanntlich Schwäche und schafft gleichzeitig Nähe. Die Bildinterventionen, Schlagzeilen und Transparente (beispielsweise `Touch me here`) vermitteln zwischen Unnahbarkeit blendender Schönheitsideale und dem realen Leben. Dadurch dass Supermodels sich uns anvertrauen, gewinnt ihre Welt an Glaubwürdigkeit und unsere mitunter an bezauberndem Glanz. (Jean-Noel Jetzer / 16.11.1998)